Neues von Memphis & Mississippi, 1.11.2007


Mit Insidern durchs Mississippi Delta

Wirkliche Insider führen Touristen zu den historischen und musikalischen Schätzen im Land von Baumwolle, Blues und Bürgerrechtsbewegung. Die Führer von Greenwood Heritage Tours kennen alle Geheimnisse des Mississippi Delta - und verraten sie gern. Dieses Mississippi Delta liegt von der Mündung des Mississippi - eines weiteren "Mississippi Delta" - vier Autostunden flussaufwärts entfernt. 

Von Greta Sharp und Fritz Springer

Teufelsgitarrist Robert Johnson war es, der Steve LaVere nach Greenwood lockte. In dieser Kleinstadt wurde der legendäre Bluesmusiker 1938 begraben, nachdem er dem Teufel seine Seele verkauft hatte und ihn schließlich ein eifersüchtiger Ehemann vergiftet hatte. Mindestens drei seiner Gräber zählt man rund um Greenwood. Dies ist nur eines von vielen Rätseln des Mississippi-Deltas, wo die Baumwolle gedeiht, der Blues auf den Feldern entstand und die Bürgerrechtsbewegung für die Rechte der Afroamerikaner einen ihrer Brennpunkte hatte.

Little Zion Church
Little Zion Church

Der Kalifornier LaVere veröffentlichte die Aufnahmen von Robert Johnson als Gesamtausgabe für CBS; die CDs verkauften sich millionenfach. So sehr faszinierte ihn der Teufelsmusiker, dass er schließlich mit seiner Frau Regina nach Greenwood umzog. Die beiden waren die treibende Kraft beim Bau des Greenwood Blues Heritage Museum & Gallery im Jahr 2002, heute die beste und größte Ausstellung rund um Robert Johnson. Man erfährt alles über den Blues und die Geschichte dieses Kernlands amerikanischer Kultur: einer Region, die bis heute sehr ländlich und bodenständig geblieben ist.

Viele geschichtsträchtige Orte wollen hier entdeckt werden. Steve LaVere und sein Kollege Lee Makamson führen ihre Kunden direkt zu den interessantesten Stellen und erklären ihnen die Hintergründe. Normalerweise empfangen sie mit ihrem kleinen Unternehmen Greenwood Heritage Tours nur Gruppen von mindestens acht Personen. Aber für Gäste aus Europa machen sie eine Ausnahme. Schon ab 30 Dollar pro Teilnehmer geht's auf Tour über die Country roads von Mississippi.

Tallahatchie Flats
Tallahatchie Flats

Sechs Themen bieten LaVere und Makamson an: Blues, Bürgerkrieg, Bürgerrechtsbewegung, Baumwollplantagen, Literatur und Indianer. Die beliebteste davon, die dreistündige Delta Blues Tour, folgt den Spuren der Bluesgiganten. "Unsere Gäste wissen, dass im Delta die Wurzeln des Blues liegen, aber von uns erfahren sie, wie alles zusammenhängt", sagt LaVere. Die Tour führt zu Häusern, in denen Mississippi John Hurt und Muddy Waters ein- und ausgingen, zu ihren ehemaligen Lieblingsbars und natürlich zu den Gräbern Robert Johnsons. Auch die Radiostation WGRM, die als erste B. B. King live sendete, fehlt nicht auf der Route. Viele Gäste buchen Touren, wenn sie ein Musikfest der Region besuchen, beispielsweise das große Delta Blues Festival in Clarksdale im September. Alle Touren werden aber ganzjährig angeboten.

Musikfans können den Spuren des Blues durchaus auch auf eigene Faust folgen. Dabei helfen die Schilder des Mississippi Blues Trail, mit denen der Staat Mississippi viele Stellen markiert und erklärt - wenn auch nicht in der Tiefe, mit denen die Leute von Greenwood Heritage Tours das Thema vermitteln. Bei den anderen fünf Themen bräuchte es allerdings sehr viel Vorbereitung, um alle wichtigen Stellen selbst zu finden.

Bryant Store
Bryant Store

Auf der Plantagentour sieht man die ehemalige Baumwollpflanzung Tallahatchie Flats: Arbeiterhäuser, wie sie einst auch Sklaven bewohnten, wurden zu Hotelzimmern umgebaut. Unter hohen Bäumen auf dem stillen Friedhof der winzigen Plantagenkirche Little Zion Church liegt Robert Johnson in seinem Grab - so es denn das richtige ist.

Die Bürgerrechtstour führt unter anderem zum Bryant Store in den Ort namens Money. In diesem ehemaligen Landladen sehen viele Historiker den Schauplatz eines zündenden Moments für den Aufstand der schwarzen Bevölkerung der USA gegen ihre Unterdrückung. Der dunkelhäutige Emmett Till wurde dort bezichtigt, einer weißen Frau nachgepfiffen zu haben. Der Ehemann entführte ihn und brachte ihn um. Fotos von der Mutter des Ermordeten, über den erschossenen Sohn gebeugt, brachten der Bürgerrechtsbewegung weltweit Aufmerksamkeit. Der Laden ist heute eine Ruine. Zwar geht es auf der Tour um den himmelschreienden Rassismus, der Mississippi bis spät in die 60er-Jahre beherrschte. Man erfährt aber auch sehr viel über die Aktivisten aller Hautfarben, die sich dem Unrecht mutig in den Weg stellten und diesen Staat zu einem der Vorreiter und Kraftzentren der Bürgerrechtsbewegung machten.

Steve Lavere und Lee Makamson
Steve Lavere und Lee Makamson

Alle Touren enden im Three Deuces Building. Der Altbau, ehemals das Domizil von WGRM, beherbergt das Blues Heritage Museum & Gallery und das Restaurant The Blue Parrot Cafe. Hier bekommt man gute Cocktails, am Wochenende treten Bluesmusiker auf. Regina LaVere steht am Herd, und nebenan in Veronica's Custom Bakery gibt's Kuchen, Salate und Kaffee. Im dritten Stock soll demnächst ein Tanzsaal samt Bar und Dachterrasse entstehen.

Buchungen bei Greenwood Heritage Tours sind möglich über www.threedeuces.net. Die Region ist gut erreichbar mit Delta Air Lines nach Jackson oder Memphis. Die Fluggesellschaft entstand im Delta und trägt dieses Erbe bis heute in ihrem Namen.

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